Begriffe Zivil.Courage.Online

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Antisemitismus

Unter diesem Begriff versteht man jede Form von Judenhass und Judenfeindlichkeit. Er umfasst alle Einstellungen und Verhaltensweisen, bei denen Einzelpersonen oder Gruppen "den Juden" negative Eigenschaften unterstellen, um deren Abwertung, Ausgrenzung, Diskriminierung, Unterdrückung, Verfolgung und Vertreibung bis hin zur Ermordung zu rechtfertigen.

Aktuell zeigt sich Antisemitismus auch in antisemitischen Verschwörungstheorien rund um die Corona-Pandemie. Der Antisemitismus-Bericht der Republik Österreich 2020 kommt zu dem Schluss, dass Antisemitismus und der Hang zu Verschwörungstheorien sehr eng verknüpft sind. Es besteht die Gefahr, dass Menschen, die bereits eine negative Einstellung zu jüdischen Menschen haben, diese mit vermeintlichen Erklärungen aus dem Kreis der Verschwörungstheorien bestärken. Auch tätliche Angriffe wie auf den Präsidenten der Grazer Kultusgemeinde und Vandalenakte gegen die Grazer Synagoge nehmen wieder zu.

Daher gilt es, wachsam zu bleiben. Zivilcourage im Internet ist wichtiger denn je!

Cyber Hate | Hass im Netz

Der Begriff Cyber Hate / Hass im Netz bedeutet die Verbreitung von diskriminierenden Aussagen im Internet.

Das können Beleidigungen oder verletzende Aussagen sein, aber auch sich immer wieder über jemanden lustig zu machen, bis hin zu aggressiven Aussagen oder Drohungen.

Verwendet werden dazu alle Formen der Kommunikation im Internet, vor allem aber Postings auf Webseiten wie Instagram, TikTok oder Facebook, Kommentarspalten und Nachrichten auf Messengern.

Cyber-Mobbing

Wenn eine Person über einen längeren Zeitraum regelmäßig und gezielt schikaniert wird, sprechen wir von Mobbing. Wenn diese Angriffe im Internet stattfinden, von Cyber-Mobbing.

Ziel ist es, die Betroffenen abzuwerten und auszugrenzen. Das kann zum Beispiel durch unterschwellige Aggressionen, verächtlichmachende Äußerungen oder Beleidigungen geschehen. Sich über eine Person lustig zu machen, das Verbreiten von falschen Anschuldigungen bis hin zu Drohungen und physischer Gewalt, sind weitere Mobbing-Strategien.

Besonders problematisch: Inhalte verbreiten sich im Internet rasend schnell. Was einmal im Netz veröffentlicht ist, kann oft nicht mehr gelöscht werden.

Beispiele für Cyber-Mobbing

  • Verbreiten von Lügen, Gerüchten oder intimen Informationen in Sozialen Netzwerken, Foren oder Messengern
  • Beschimpfungen, Beleidigungen oder Drohungen auf WhatsApp, Instagram, YouTube, Facebook, etc., in Chats, per SMS oder E-Mail
  • Veröffentlichen von intimen oder peinlichen Fotos oder Videos
  • Sexuelle Belästigung oder unerwünschte Kontaktaufnahme in Chats oder Sozialen Netzwerken
  • Gehackte Accounts oder Fake-Profile
  • Ausschluss aus Gruppen oder Computerspiel-Teams

So wehrst du dich!

  • Bleib ruhig! Reagiere nicht auf Nachrichten, die dich belästigen oder ärgern - denn genau das will der/die AbsenderIn.
  • Rede darüber! Sprich mit Vertrauenspersonen über deine Probleme, z.B. mit deinen Eltern, FreundInnen oder Lehrenden - je früher, desto besser. Kostenlose und anonyme Hilfe erhältst du auch bei 147 Rat auf Draht.
  • Melde Belästigungen! Informiere BetreiberInnen der Website oder des Sozialen Netzwerks über Personen, die dich belästigen. In schlimmen Fällen kannst du auch die Polizei einschalten.
  • Sperre NutzerInnen, die dich belästigen! In den meisten Sozialen Netzwerken gibt es die Möglichkeit, bestimmte Personen zu blockieren.
  • Sichere Beweise! Fertige Screenshots von unangenehmen Nachrichten, Bildern oder Chats an. So kannst du den Personen, die dir helfen, besser erklären, worum es genau geht.

Tipp

  • Sei vorsichtig bei der Weitergabe persönlicher Daten (E-Mail-Adresse, Wohnadresse, Handynummer oder private Fotos) im Internet.
  • Verwende Passwörter, die nicht leicht zu knacken sind (z.B. lbegFvFM?#!) und gib deine Zugangsdaten niemandem weiter.
  • Schütze deine Privatsphäre in Sozialen Netzwerken: www.saferinternet.at/leitfaden

Wenn du mitbekommst, dass andere belästigt werden, dann schau nicht weg! Unterstütze Mobbing-Opfer! Manchmal hören die Beleidigungen schnell auf, wenn der/die TäterIn merkt, dass das Opfer nicht alleine gelassen wird.

Du weißt nicht, wie du helfen kannst oder wirst selbst gemobbt? Hol dir Hilfe bei Vertrauenspersonen, z.B. deinen Eltern, Geschwistern, FreundInnen, Lehrenden oder auch bei der Notrufnummer 147 Rat auf Draht.

Diskriminierung

Diskriminierung ist die Benachteiligung oder Ungleichbehandlung bestimmter Personen oder Gruppen.

Sie kann zum Beispiel durch die Abwertung aufgrund von äußeren Merkmalen wie Hautfarbe, Geschlecht, Alter oder Behinderung vorkommen. Ebenso kann es eine Schlechterstellung wegen etwas nicht sichtbarem wie Religion, sexueller Orientierung oder Weltanschauung sein.

Wenn Personen oder Gruppen diskriminiert werden, heißt das, sie gehören nicht dazu bzw. werden ausgeschlossen. Dadurch werden ihre Möglichkeiten im Leben eingeschränkt und/oder sie müssen mehr leisten, um dieselben Dinge zu erreichen.

Fünf Schritte zu Zivilcourage

Schritt 1: "Wahrnehmen des Ereignisses": Bemerken, dass etwas geschieht.

Schritt 2: "Interpretation": Das Ereignis als Notsituation interpretieren.

Schritt 3: "Bereitschaft und Verantwortungsübernahme": Sich für die Hilfeleistung verantwortlich fühlen.

Schritt 4: "Wahl der geeigneten Mittel": Entscheiden, wie zu helfen ist.

Schritt 5: "Durchführen der Hilfsaktion": Helfen.

Wie du die 5 Schritte umsetzen kannst und welche Hindernisse dir dabei im Weg stehen können, lernst du in unseren Zivilcourage-Trainings.

Generation Selfie

Heute schon ein Selfie gepostet? Achtung: Eine aktuelle Studie hat herausgefunden, dass Menschen, die viel Zeit mit Social Media verbringen, Schritt für Schritt zu NarzisstInnen werden.

Nicht umsonst gilt die Faustregel für das perfekte Selfie: 800 Bilder machen, 400 Filter ausprobieren, 1 Foto posten. Klingt nach ganz schön viel Arbeit - aber vor allem auch nach ganz schön viel Selbstbezogenheit.

Richtig: Eine aktuelle Studie hat einmal mehr ermittelt, dass exzessives Posten von Selfies Hand in Hand mit steigender (!) Selbstverliebtheit geht. Gruppenvergleiche haben auch ergeben, dass Menschen, die viel Zeit mit der Bearbeitung von Selfies verbringen, mehr Schamgefühl bezüglich des eigenen Körpers und ein negativeres Körperbild wahrnehmen als Personen, die keine Selfies posten.

Alles über diese Studie erfährst du hier.

Ghosting

Wenn jemand freundschaftlichen oder partnerschaftlichen Kontakt mit dir hatte und sich plötzlich "zum Geist macht", also nicht mehr meldet und nicht mehr erreichbar ist, dann wurdest du "geghostet".

Damit meint man einen plötzlichen Kommunikationsabbruch ohne Ankündigung. Das ist meistens sehr verletzend. Wenn dir das passiert, hol dir Hilfe und sprich mit einer Vertrauensperson darüber oder kontaktiere Rat auf Draht - 147.

Glaubenskrieger

Glaubenskrieger nutzen die Verbreitung von Hassreden und Trolling als politische Strategie.

Sie beanspruchen für sich, die "Wahrheit" zu kennen und versuchen, Menschen mit davon abweichenden Meinungen mundtot zu machen. Sie empfinden sich selbst als Opfer einer "Meinungsdiktatur", gegen die sie heldenhaft kämpfen. Sie stehen der liberalen Demokratie und der Vielfalt von Meinungen ablehnend gegenüber.

In der Vorstellung für die "Wahrheit" zu kämpfen, halten sie Fakten, andere Argumente und Meinungen für Fake News oder Teil einer Verschwörung. Weil die anderen aus ihrer Sicht auf jeden Fall falsch liegen, fehlt es ihnen an Empathie für die Betroffenen.

Hashtag

Ein Hashtag "#" dient dazu, Nachrichten und Postings in sozialen Netzwerken mit Schlagworten bzw. Stichworten zu versehen, zum Beispiel #zivilcourage. Dadurch werden die Begriffe von anderen NutzerInnen anklickbar und alle Inhalte, die mit diesem Hashtag versehen sind, werden angezeigt.

Hate Speech

Bei Hate Speech oder Hassreden geht es um die Verbreitung von abwertenden oder diskriminierenden Aussagen gegen Menschen, ebenso wenn zu Hass oder Gewalt gegen eine bestimmte Personengruppe aufgerufen wird.

In der Regel richtet sich Hate Speech gegen Personen, die in der Gesellschaft bereits benachteiligt sind oder gegen diejenigen, die sich mit diesen Personen solidarisieren.

Verwendet wird der Begriff vor allem für die Verbreitung von Hass im Internet. Oft bereitet die verbale Gewalt im Internet allerdings den Nährboden für die physische Gewalt im realen Leben. Hate Speech umfasst also die digitale Welt genauso wie die analoge.

Holocaust-Leugnung

Der Holocaust oder die Schoah bezeichnet den nationalsozialistischen Völkermord an Millionen Jüdinnen und Juden während des Zweiten Weltkriegs.

Holocaust-Leugnung ist das Leugnen oder Verharmlosen dieser Tatsache. Unter Holocaust-LeugnerInnen entstand auch der Begriff "Auschwitz-Lüge", der bedeutet, dass die industrielle Vernichtung von Menschen im nationalsozialistischen Konzentrationslager Auschwitz nur vorgetäuscht wird.

Seit 1945 ist die Holocaust-Leugnung ein häufiges Element rechtsextremer Ideologien und eng mit dem heutigen Antisemitismus verbunden.

Quelle(n)

Holocaust-Verharmlosung

Die Holocaust-Verharmlosung und Holocaust-Relativierung setzt den Holocaust mit anderen wirklichen oder behaupteten Verbrechen gleich, um eine moralische Gleichwertigkeit zu suggerieren. Häufig wird angeführt, dass "ja auch andere Staaten" (meistens die USA) Kriegsverbrechen begangen hätten. Dadurch kommt es zu einer Verharmlosung der beispiellosen NS-Verbrechen. In Österreich ist die gröbliche Verharmlosung des Holocaust ein Tatbestand des Verbotsgesetzes.

Influencer | Influencerin

Wörtlich übersetzt bedeutet Influencer "BeeinflusserIn". Der Begriff ist durchaus passend, weil damit Menschen gemeint sind, die über die Beliebtheit ihrer Online-Profile Produkte bewerben. Viele Firmen setzen mittlerweile hauptsächlich auf "Influencer-Marketing" um ihre Produkte zu verkaufen.

Also Achtung, wenn dir ein/e YouTuberIn ein neues Lieblingsprodukt empfiehlt. Es könnte sich einfach um bezahlte Werbung handeln und nicht um eine persönliche Empfehlung aus Begeisterung.

Love Scam oder Romance Scam

Das ist eine besonders grausame Form von Scam, also Betrug im Internet. Hier erstellt jemand ein Fake-Profil mit erfundenen Angaben und geklauten Fotos im Internet, meist auf Facebook, und gibt vor, sich unsterblich in dich verliebt zu haben.

Ziel der Kontaktaufnahme ist immer, Geld zu erbeuten. Nachdem Vertrauen aufgebaut wurde, gerät die Person typischerweise in eine "Notlage" durch einen angeblichen Unfall, eine Operation oder Probleme der erfundenen Kinder. Wenn dich also jemand kontaktiert, den du überhaupt nicht kennst, schau dir das Profil gut an und sei sehr skeptisch. Die Google-Bildersuche kann dir auch dabei helfen, geklaute Profilfotos zu überprüfen.

Love-Storm | Flower-Rain

Blumenregen für Asel, das Neujahrsbaby 2018

Eine mittlerweile geläufige Strategie gegen rechte Hetzkampagnen ist, breite Solidarität mit den Betroffenen auszudrücken. Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, eine davon ist ein sogenannter Flower-Rain/Blumenregen, wie das folgende Beispiel rund um das Neujahrsbaby 2018 aus Wien eindrucksvoll zeigt.

Die Veröffentlichung des Fotos der Familie löste einen regelrechten Shitstorm gegen Baby Asel und ihre Eltern aus. Fadenscheinige Begründung war das Kopftuch der Mutter. Es handelte sich dabei aber offensichtlich um den weitverbreiteten antimuslimischen Rassismus in der österreichischen Gesellschaft, der hier zum Ausdruck kam. Übelste Hassbotschaften wurden an die Familie gerichtet.

Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas der Erzdiözese Wien startete einen Flower-Rain und rief öffentlich zur Beteiligung auf. In kürzester Zeit gratulierten tausende UserInnen der frisch gebackenen Familie und drückten ihre Freude über Asels Geburt aus.

An der Aktion beteiligten sich auch Kardinal Christoph Schönborn und der Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Am Ende konnte Asel und ihren Eltern ein Buch mit über 33.000 Willkommenswünschen überreicht werden.

Der Fall sorgte für etliches Aufsehen, so berichteten die New York Times, die FAZ, The Independent und weitere Medien von allen Kontinenten der Welt über diesen Flower-Rain.

Media Literacy

Unter Media Literacy versteht man die Fähigkeit, Informationen und Inhalte in unterschiedlichen Medien erschließen, kritisch bewerten, einordnen und auch erstellen zu können. Dazu gehört außerdem, zu lernen, wie man herausfindet, wer die Quelle hinter einer Information ist und welche Motive möglicherweise dahinterstecken.

Die wichtigste Komponente für Zivilcourage im Internet ist, Fakten von Falschmeldungen unterscheiden zu können.

Memes

Memes sind meist lustige Grafiken und Collagen, die sich aufgrund von popkulturellen Anspielungen schnell im Netz verbreiten.

Oft werden Bilder von berühmten Personen oder Tieren verwendet und mit einem lustigen Spruch oder einer Aussage versehen.

Rassismus

Rassismus ist eine Ideologie, die Menschen aufgrund äußerer Merkmale einer angeblichen "Rasse", einem Volk oder einer Ethnie zuordnet. RassistInnen beurteilen Menschen, die sie einer dieser Gruppen zuordnen, entweder als überlegen und höherwertig oder als minderwertig. Meist geht es bei rassistischen Ideologien um die Rechtfertigung von Machtausübung, um Gewalt und um die Verletzung von Menschenrechten gegenüber Personen oder Personengruppen.

Unter rassistischer Diskriminierung versteht man, wenn Einzelpersonen oder Gruppen aufgrund ihrer Hautfarbe, der Sprache, der Religionszugehörigkeit oder der Herkunft ausgegrenzt oder benachteiligt werden.

Rechtsextremismus

Rechtsextremismus ist ein Überbegriff für faschistische, neonazistische und chauvinistisch-nationalistische politische Ideologien und Aktivitäten.

RechtsextremistInnen wenden sich gegen Menschen, die sie aufgrund bestimmter Merkmale – wie der Hautfarbe, dem Körperbau, der ethnischen Herkunft, der weltanschaulichen, religiösen oder sexuellen Orientierung – definieren. Es handelt sich um Angehörige von Gruppen, die von einer Standardnorm abweichen. RechtsextremistInnen werten diese "Andersartigen" oder Andersdenkenden ab, grenzen sie aus, greifen sie an, verfolgen sie und versuchen sie in letzter Konsequenz sogar auszurotten. Deshalb kann auch von "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" gesprochen werden.

Rechtsextremismus lässt sich an der zentralen Bedeutung des Begriffes "Volk" - verstanden als Abstammungs- und Schicksalsgemeinschaft - erkennen. Damit ist in Deutschland und Österreich das "Deutsche Volk" gemeint.

Ein wichtiges Element des Rechtsextremismus ist auch die Gewaltakzeptanz und -bereitschaft, die sich hauptsächlich gegen "Andersartige" und Andersdenkende richtet.

Reels

Dieser Begriff stammt aus Instagram und ist als Reaktion auf die populäre App TikTok entstanden. Mit Instagram-Reels können 15- oder 30-sekündige Videos aufgenommen und bearbeitet werden. Im Gegensatz zu IGTV (Instagram-TV) sind diese Videos kürzer und ähneln den Videos auf TikTok.

Scam

Damit ist Betrug und Abzocke im Internet gemeint. Meist wird man dabei von jemandem mit einer beeindruckenden Geschichte über E-Mail oder Social Media kontaktiert. Jemand sagt z.B., dass er eine Menge Geld in Sicherheit bringen möchte und deine Hilfe braucht. Es winken meistens hohe Geldgewinne, wenn man zuerst selbst Geld überweist, um angeblich eine "Sicherheit" zu gewährleisten.

Vorsicht! Wenn die Geschichte zu schön, um wahr zu sein klingt, dann ist sie ziemlich sicher Betrug! Wende dich an eine Vertrauensperson und/oder die Polizei.

Sexismus

Sexismus ist die Vorstellung, dass ein Geschlecht dem anderen überlegen sei. Meistens sind davon Frauen betroffen, wenn Männer – das sogenannte "starke Geschlecht" - als den Frauen überlegen angesehen werden. Rechtlich versteht man darunter die bewusste Diskriminierung einer Person aufgrund ihres Geschlechts.
Beispiele für Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund des Geschlechts sind sexuelle Belästigung, nicht sachlich begründbare Benachteiligung bei der Entlohnung oder Beförderung oder Benachteiligung bei Aus- und Weiterbildung im Betrieb. Bei vermuteter Diskriminierung am Arbeitsplatz bietet die Gleichbehandlungsanwaltschaft Beratung und Unterstützung an.

Grausame Beispiele für Sexismus sind die lange verbreitete "Witwenverbrennung", die weibliche Genitalverstümmelung und der Ausschluss von Frauen aus dem Bildungssystem. Sexismus ist aber auch an Beispielen im Alltag sichtbar. Viele Menschen vertreten z.B. die Meinung, dass es für eine Frau wichtiger sei, ihren Mann bei seiner Karriere zu unterstützen als selbst Karriere zu machen.

Shitstorm

Ist das Gegenteil eines "Love-Storm" und meint eine Flut an negativen Reaktionen auf einen Artikel, einen Blogeintrag, ein Posting oder ein Foto in sozialen Netzwerken bzw. im Internet.

Auch auf Interviews oder TV-Auftritte von Prominenten kann ein Shitstorm im Internet eine Reaktion sein. Oft ist es nicht möglich, diese Reaktionsflut einzudämmen oder zu kontrollieren, da sie sich durch Teilen von Kommentaren und Inhalten verselbstständigt. Ein Shitstorm kann enormen Schaden für Personen und Unternehmen anrichten.

Social Media | Social Network Site

Soziale Medien sind Online Plattformen auf denen sich die NutzerInnen miteinander austauschen und kommunizieren können. Belohnt wird dabei, wer viel mit anderen interagiert, denn das führt zu mehr Klicks, Reichweite und Likes. Etwas zu posten, worüber sich viele aufregen, entspricht also der Logik wie Soziale Medien funktionieren.

In der Regel gehören Soziale Medien großen Konzernen. Ihren Gewinn machen sie über das Schalten von Werbung auf ihren Plattformen. Auch sie profitieren davon, wenn viele NutzerInnen dort viel Zeit verbringen. Ein Soziales Medium ist also keine neutrale Infrastruktur, sondern verfolgt immer auch eigene Interessen.

Solidaritätsnetzwerke

Beispiel #UnbanNhi

März 2020: Der Ausbruch der Corona-Pandemie in Europa war geprägt von antiasiatischem Rassismus. Üble rassistische Witze, aber auch Übergriffe auf offener Straße und im Internet gegen asiatisch gelesene Personen begleiteten die Pandemie. Viele Betroffene berichteten global von diesen besorgniserregenden Entwicklungen. Auf Twitter machte die deutsche Journalistin Nhi Le auf diese Tendenzen aufmerksam. Ihr Account wurde daraufhin von Twitter für 12 Stunden gesperrt, da sie angeblich gegen die Twitter-Regeln verstoßen hätte. Nachdem die Sperre bekannt wurde, gab es eine breite Solidaritätsbewegung, die unter #UnbanNhi die sofortige Entsperrung der Journalistin forderte.

Über 1.500 Mal wurde der Hashtag geteilt, und mehr als 100 Accounts teilten dieselbe Nachricht von Nhi Le, nämlich: "Alle, die Witze über Asiat*innen und Coronavirus machen, bekommen eine Schelle. Don‘t even try to wrap your racism into a joke."

Das Spannende daran war, dass der Großteil dieser Accounts für den gleichen Tweet nicht gesperrt wurde. Dabei wurde deutlich, dass es nicht um den Inhalt des Tweets ging, sondern die Anzahl der Meldungen. Die Screenshots, die zeigten, dass es für die sich solidarisch zeigenden Accounts keine Sperre gab, wurden online veröffentlicht. Twitter ist bis heute Transparenz schuldig geblieben, warum welcher Account gesperrt wird.

Der Fall zeigt deutlich, dass orchestrierten Massenmeldungen mit einer breiten Welle der Solidarität begegnet werden kann, indem man solche Sperren öffentlich macht. Diese Vorgangsweise gilt als wirksames Instrument von Solidarität, um Accounts, die auf gesellschaftliche Missstände hinweisen, zu schützen.

Thread

In der englischen Sprache steht der Begriff "thread" für Faden oder Strang. Im Internet ist damit eine Serie an zusammenhängenden Postings oder Forenbeiträgen gemeint. Mit der Kennzeichnung "thread" wird angezeigt, dass das angezeigte Posting der erste Teil einer Serie ist.

Entstanden ist der Begriff in sozialen Netzwerken, wo die Beiträge mit einem Zeichenlimit versehen sind (z.B. Twitter). Wenn man längere Inhalte erstellen möchte, muss man viele Postings mit einem Thread "zusammenhängen".

Trolling

Trolling bezeichnet das Zerstören von konstruktiven Diskussionen im Internet.

Dazu werden bewusst provozierende, beleidigende und kontroversielle Beiträge verfasst. Durch das gezielte Überschreiten der ungeschrieben Regeln einer fairen Diskussion wird versucht eine Reaktion des/r Adressierten hervorzurufen. Damit soll die Diskussion vom eigentlichen Thema wegeführt und so verunmöglicht werden.

Mache Trolle machen das aus der Lust an Provokation und Zerstörung, andere verwenden es als politischen Strategie.

Quelle(n)
  • Brodnig, Ingrid (2016): Hass im Netz - Was wir gegen Hetze, Mobbing und Lügen tun können, Wien: Christian Brandstätter Verlag, S. 40-54.

Verschwörungstheorien

Verschschwörungstheorien deuten bestimmte Situationen und versuchen diese mit einer angeblichen Verschwörung in Verbindung zu setzen.

Eine Verschwörungstheorie versucht, ein zufälliges Ereignis oder eine entstandene Entwicklung durch eine Verschwörung zu erklären. Es wird einer bestimmten Gruppe unterstellt, im Geheimen gegen die Gesellschaft oder eine ausgewählte unterdrückte Gruppierung zu arbeiten - sich zu verschwören. Angeblich steckt z.B. hinter der Corona-Pandemie eine geheim wirkende, verschwörerische Gruppe, die versucht, die Welt zu beherrschen oder die Welt nach ihrem Zweck umzugestalten. Verschwörungstheorien arbeiten meist mit "Schwarz-Weiß"-Darstellungen und gegen offizielle Sichtweisen, Wissenschaft oder Regierungen. Dies ist sehr gefährlich. Fakten helfen hier meist sehr wenig.  Social Media Plattformen vereinfachen die Verbreitung von Verschwörungstheorien.

Wiederbetätigung

In Österreich gibt es das Verbotsgesetz, das die NSDAP verbietet. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei war die regierende Partei während der NS-Diktatur. Das Gesetz verbietet auch jede Betätigung im Sinne des Nationalsozialismus, die sogenannte Wiederbetätigung.

Als Wiederbetätigung strafbar ist die Verbreitung nationalsozialistischer Inhalte (z.B. über das Internet), die Gründung von nationalsozialistischen Verbindungen, das Anwerben von Mitgliedern für eine solche Verbindung oder auch die bloße Beteiligung daran. Ebenso strafbar ist es, nationalsozialistische Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu leugnen, gröblich zu verharmlosen oder gutzuheißen. Dabei geht es vor allem um die "Auschwitz-Lüge".

Zivilcourage

Zivilcourage beinhaltet die Wörter "zivil" und "Courage". Das Wort "zivil" kommt aus dem Lateinischen und steht "1. Für bürgerlich - nicht militärisch; 2. Für anständig, annehmbar" und das Wort "Courage" kommt aus dem Französischen und bedeutet "Mut".

Im Jahr 1835 wurden im Französischen das erste Mal die Ausdrücke "courage civil" und "courage civique" nachgewiesen, wobei "courage civil" für "den Mut des/der Einzelnen zum eigenen Urteil" steht und "courage civique" den rein staatsbürgerlichen Mut meint.

Diese beiden Arten haben sich im deutschsprachigen Raum im Begriff "Zivilcourage" vereint.

Zivilcourage-Training

Immer mehr Menschen werden zu Opfern von Hass im Netz, von Cyber-Mobbing etc. Was hindert uns daran, Zivilcourage auch online zu zeigen? Zivilcourage kann trainiert werden! Unsere Zivil.Courage.Online-Trainings kannst du hier buchen.

Ein Training der Zivilcourage unterstützt bei der Umsetzung der fünf Schritte zur Hilfeleistung. In den Zivilcourage-Trainings des Mauthausen Komitee Österreich werden deine Handlungsmöglichkeiten erweitert und deine Selbstsicherheit gestärkt, auch der Einsatz gegen Mobbing wird thematisiert. Ein zusätzlicher historischer Schwerpunkt ist der zivile Mut zur Zeit des Nationalsozialismus.